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Interview mit Anne und Nico Ligniéz

Interview mit Anne und Nico Ligniéz

Interview mit Anne und Nico Ligniéz

Anne und Nico Ligniéz

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München

Von Magdi Yacoub

Liebe Anna, lieber Nico, ihr seid seit 2007 Mitglieder der St. Mina Gemeinde. Welche Wege führten Euch hierher?

Anne: Mein Weg zur koptisch-orthodoxen Kirche war nicht direkt dorthin. Ausgangspunkt war meine Arbeit. Da meine Eltern mich nicht taufen ließen und ich an einer Bekenntnisschule arbeite, musste ich mich taufen lassen. Ich habe verschiedene Gottesdienste, sowohl in der evangelischen, als auch in der katholischen Kirche besucht. Keiner berührte meine Seele, aber in der koptisch-orthodoxen Kirche fühlte sich meine Seele zu Hause. Daher entschied ich mich, mich im August 2010 in der St. Mina Kirche taufen zu lassen.

Nico: Mein Weg zur koptisch-orthodoxen Kirche und damit zur Gemeinde St. Mina beginnt während meines Studiums 1992 in Leipzig. Studiert habe ich Ägyptologie und das Leipziger Institut hielt auch Seminare zur koptischen Sprache ab. Im Rahmen dieser Seminare kam ich auch mit den Apophthegmata Patrum in Berührung, die mich schon damals sehr fasziniert haben. Als ich 2000 in Ägypten als Lehrer gearbeitet habe, habe ich dort in der Nähe eines koptischen Nonnenklosters gelebt und dort ein Stück Heimat gefunden – gerade zu den Feiertagen, die mir im muslimisch geprägten Alltag sehr fehlten. Noch ein paar Jahre später durfte ich dann im Rahmen meiner Ausbildung zum Erzieher auch orthodoxes Klosterleben in Taizé kennenlernen und habe dort einen tiefen Glauben gefunden. Von dort war es nur ein kurzer Weg in das Kloster in Höxter, in dem mich Anba Damian dann taufte. Und da ich am schönen Chiemsee wohne, ist St. Mina seitdem meine Heimat.

Gerne sehe ich, wie ihr in unseren Veranstaltungen Spiele für die Kinder der Gemeinde organisiert. Erzählt uns Näheres über Euch als Ehepaar.

Nico: Anne und ich haben uns während der des Einweihungsgottesdienstes der Franz-von-Sales Schule kennengelernt. Und nach dem Kennenlernen haben wir uns am 1. Mai 2010 auf dem Sagenfest in Kammerstein verlobt, auf dem wir gemeinsam mit Freunden einen Teil des Unterhaltungsprogrammes für Kinder und Jugendliche durchgeführt haben. Ein Jahr später haben wir dort auch standesamtlich geheiratet. Am 28. August 2011 hat Abuna Deuscoros uns dann in St. Mina getraut.

Niko Ligniéz

Anne: Fast hätten wir die Hochzeit verschieben müssen, da Papst Schenouda III. im Kloster Kröffelbach zu Besuch war und viele der Diakone an diesem Wochenende im Kloster waren. Sehr berührt hat mich, dass Diakon Isaak ganz spontan sagte, er fahre nicht und wird unsere Trauung mit Abuna Deuscoros abhalten.

Anne Ligniéz

Nico: Hier auch noch einmal meinen Dank an Abuna Deuscoros, der sich an diesem Wochenende die Zeit nahm, uns erst zu trauen und danach einen Gottesdienst zu halten und an Samir, Fouad und Isaak, die die Hochzeit möglich machten. Und natürlich auch an Seham, die den Saal und das Agape ausrichtete.

Anne: Diese Wärme und Herzlichkeit berührt mich immer wieder. Jeder wird in der Gemeinde liebevoll aufgenommen und willkommen geheißen. Gerne geben wir dieses an die Gemeinde zurück, auch durch die Spiele für die Kinder. Durch die kirchliche Trauung sind wir nicht nur ein Leben lang miteinander, sondern auch mit der Gemeinde verbunden.

Nico: Wichtig für unsere Ehe sind auch die Gemeinsamkeiten in Beruf und Hobby. Anne ist eine engagierte Lehrerin und ich möchte den fachlichen Austausch mit ihr nicht missen. Bei unseren Ausflügen zum Bogensport in die Natur können wir gemeinsam den Alltag hinter uns lassen und die Schönheit der Schöpfung unmittelbar erleben.

Die Gottesdienste sind uns beiden wichtig, da wir dort Gott für all das Schöne danken können, Trost finden und auch viel Inspiration in den Predigten von Abuna. Die Lebendigkeit der Gemeinde ist immer wieder schön, wie auch die Herzlichkeit, die wir dort immer wieder erfahren.

Danken möchte ich auch allen, vor allem Dir Abuna Deuscoros, dass ich die Aufgaben eines Diakones erlernen darf und hier viel liebevolle Unterstützung erfahre.

Traurig stimmt uns jedoch, dass wir keine eigenen Kinder haben und auch eine Adoption bislang nicht möglich war. Gerne würden wir auch eigene Kinder auf ihrem Weg begleiten und ihnen die Wunder Gottes nahebringen, unsere Familientraditionen weitergeben und ihnen unsere Liebe schenken.

Mit viel Freude begleiten wir Kinder in unseren Berufen und auch in der Freizeit. Die jungen Menschen sind die Zukunft unserer Gesellschaft und auch der Gemeinden. Wenn wir mit Liebe und entsprechenden Angeboten die Kinder in ihrem Wissendrang begleiten und sie fördern können, ist dies eine Aufgabe, die Anne und ich gerne übernehmen.

Was sind von Deiner Sicht Parallelen und Besonderheiten der koptischen und evangelischen Kirche?

Nico: Aufgewachsen bin ich in einer lutherisch-evangelischen Familie mitten im katholischen Bayern, habe also schon früh Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den christlichen Glaubensrichtungen kennengelernt. Als Jugendlicher und junger Erwachsener merkte ich, dass mir in der evangelischen Kirche etwas fehlt – auch wenn ich es damals nicht benennen konnte. Dies habe ich lange Zeit zur Seite geschoben und mich auf Studium und Beruf konzentriert. Im Laufe dieses Lebensabschnittes konnte ich die tiefe Spiritualität des Glaubens in der koptisch-orthodoxen Kirche kennenlernen. Und diese Ursprünglichkeit des Glaubens – immerhin gibt es eine ununterbrochene Klostertradition seit dem Heiligen Antonius und unsere unveränderte Liturgie – ist eine Besonderheit unserer Kirche. Gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche haben wir den Glauben an die Liebe Gottes.

Niko Ligniéz

Nico, was sind die wichtigsten Eindrücke, die Du in Deinem Ägypten Aufenthalt hattest?

Bewegend waren für mich meine Besuche in einem Nonnenkloster in Qurna. Als ich dieses zum ersten Male in der Nähe des Queensvalley entdeckte, bin ich von einer Ruine ausgegangen. Doch ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen, durfte die Kapelle besuchen und dort beten. Die Nonnen strahlten eine Zuversichtlichkeit in Mitten dieser Wüste aus und gaben dem Ort – trotz des zerfallenen Äußeren – einen Glanz, der mich tief beeindruckt hat.

Nicht zuletzt frage ich Dich als Diakon, was Du für die Kinder unserer Gemeinde wünscht.

Für die Kinder wünsche ich mir weiterhin die gute Begleitung, die sie erfahren dürfen. Die Sonntagsschule, der wertschätzende und liebevolle Umgang während der Gottesdienste sind wundervoll und ich schätze alle Erwachsenen, die dies möglich machen. So können die Kinder mit christlichen Werten aufwachsen, die so unendlich wichtig sind. Gerade in der heutigen Zeit ist dies nicht mehr selbstverständlich.

Niko Ligniéz

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München.