Glauben leben in der Fremde
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14. September 2017
Hoffnungszeichen
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19. September 2017

Interview mit August Möller

Interview mit August Möller

Interview mit August Möller

August Möller

Rentner, ehemals Mitarbeiter des Diözesan-Caritasverbandes München.

Von Pater Deuscoros El-Antony

August, Du hast die Idee gehabt, für junge Christen aus Orientalischen Kirchen ein Wochenende zu gestalten mit dem Thema: "Glauben leben in der Fremde". Wie bist Du dazu gekommen, was hat Dich dazu bewegt?

Schon als junger Student der Theologie hab ich mich für die Orientalischen Kirchen interessiert und sogar Aramäisch gelernt. Jetzt nach vielen Jahren, da so viele Christen fliehen müssen, stellt sich mir immer wieder die Frage, wie sie wohl hier in der weitgehend nur noch nominell christlichen Gesellschaft ihren Gauben leben können. Das stelle ich mir besonders schwer vor für junge Christen, die alleine hier ohne Familie klar kommen müssen. Sie brauchen nicht nur materielle Hilfe zur Integration, sondern auch Orientierung für ihr Leben aus dem Glauben. Ich habe hohe Achtung vor der Glaubenskraft der Orientalischen Kirchen, die heute noch Märtyrer hervorbringen. Dieses Glaubenszeugnis sollte mehr von den Kirchen hier in Deutschland beachtet werden.

Bei unserem Treffen in Benediktbeuern habe ich erfahren, dass Du Ikonen malst. Zur Vesper hattest Du die neu gemalte Madonnen-Ikone aufgestellt. Was hat Dich bewegt, Ikonen zu malen?

Mein erster Lehrer, der mir vor neun Jahren die ersten Schritte der Technik des Malens von Ikonen gezeigt hat, hat mir später mal die Frage gestellt, warum malst Du eigentlich Ikonen? Ich habe ihm mit dem Psalm-Wort geantwortet: " Dein Antlitz suche ich, o Herr"(Ps.27,8). So habe ich immer wieder das Antlitz Christi gemalt, denn er ist " das Bild (=Ikone) des unsichtbaren Gottes"(Kol. 1,15). Und ich suche immer noch sein Antlitz.

Aber, Du hast auch Madonnen und Festtags Ikonen gemalt. In deiner Weihnacht-Ikone ist mir ein Löwe aufgefallen. Was bedeutet dieser Löwe?

Ja, der hat mehrfache Bedeutung: In der Offenbarung (5,5) heißt es: "Sieh, der Löwe aus dem Stamme Juda, die Wurzel Davids hat gesiegt." Jesus ist aus dem Stamme Davids. Ferner heißt es vom Löwen, wenn er schlafe, so sei er doch eher wach und habe geöffnete Augen. Auf Christus übertragen heißt das, dass die Gottheit Jesu nicht schläft, wenn er uns in der Schwachheit seiner Menschwerdung erscheint. Jesus in der Krippe ist deshalb mit offenen Augen dargestellt. Darüber hinaus ergibt sich aus der Zusammenstellung des Löwen mit dem Hirtenbuben mit der Flöte und den Schafen eine Anspielung auf die Friedensvision des Propheten Jesaia (Jes.11,6). ".....Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten."

Wenn dieses Magazin erscheint wird bald Weihnachten sein und wir denken an das kommende Jahr und an die Zukunft. Welche Wünsche hast Du für die jungen Christen aus dem Orient?

Ich wünsche von Herzen, dass Sie bei allen Bemühungen um Integration in Deutschland, ihren lebendigen Glauben, den sie aus ihren Kirchen erworben haben, hier bewahren und an die nächste Generation weitergeben und zu leuchtenden Vorbildern für die Christen der Westlichen Kirchen werden.

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Rentner, ehemals Mitarbeiter des Diözesan-Caritasverbandes München.