Die koptische Musik
Die koptische Musik
19. Dezember 2015
Formen des Mönchtums
Formen des Mönchtums
22. Dezember 2015

Interview mit Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Interview mit Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Interview mit Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München

Von Pater Deuscoros El-Antony


Dr. phil. Kamal Sabri Kolta (geb. am 05.05.1930) stammt aus Kairo/Ägypten. Nach dem Abitur in Giza studierte er klassische Philologie und Geschichte von 1950 bis 1954 an der Kairoer Universität und war anschließend als Englischlehrer an einem ägyptischen Gymnasium tätig. Danach war Dr. Kolta Sekretär am „Institute of Coptic Higher Studies, Anba Rewes Gebäude, Abbasia, Kairo“ und Lehrbeauftragter für die altgriechische Sprache An der „Clerical school“ von 1956 bis 1959 dort. Ab 1960 folgte das Studium der Ägyptologie und Altphilologie in Tübingen, das er 1967 mit der Promotion abschloss. 1970 siedelte er mit seiner Familie nach München um. Seit 1970 war Dr. Kolta wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte der Medizin der Universität München und ab 1974 akademischer Rat, ab 1984 akademischer Oberrat am selben Institut. Sein Forschungsgebiet ist die Geschichte der Medizin Ägyptens in der pharaonischen, griechisch-römischen, koptischen und in der islamischen Zeit bis zum 14. Jahrhundert. Arbeiten über dieses Gebiet wurden in verschiedenen Fachzeitschriften und in Büchern veröffentlicht. Seit seiner Pensionierung 1995 ist er Lehrbeauftragter am selben Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin und auch am „Institut für Ägyptologie“ der LMU.

Wie kamen Sie eigentlich nach Deutschland?

Meine Studien an der Kairoer Universität bewogen mich dazu, dieses Studium weiter zu vertiefen. Ein Stipendium von der Universität Tübingen ermöglichte mir die Umsetzung dieses Wunsches.

In Ihrem Buch „Von Echnaton zu Jesus“ haben Sie sich mit Parallelen zwischen der altägyptischen Religion und dem Früh-Christentum befasst. Kann nach Ihren Vergleichen behauptet werden, dass das Früh-Christentum Ideen und Mythen der Altägypter übernommen oder kopiert hat.

Keine Übernahme oder Nachahmung, sondern wegen dieser Parallelitäten oder ähnlichen Vorstellungen haben die Altägypter schnell den christlichen Glauben angenommen, z.B. die Reinigung der Könige vor ihrem Eintritt in einen Tempel ähnelt der Taufe, aber diejenige Reinigung des Königs entspricht nicht der christlichen Taufe.

Können Sie uns diesen Gedanken näher erklären?

Die Religion der Altägypter ist nicht tot. Sie lebt vielmehr in der Breite der Darstellungen weiter, die in den christlichen und nicht christlichen Folgereligionen ihren Niederschlag gefunden haben. So wurde in Ägypten das Christentum vom ägyptischen Volk, dank des altägyptischen Glaubens, der ähnliche Vorstellungen und Parallelen in Kult und Ritus bot, bereitwillig aufgenommen. Die christlichen Ägypter (die Kopten) bewahren und folgen der Lehre Christi und tragen sie über Jahrhunderte hinweg unverändert fort. Gerade darin erweist sich das Koptentum als Bewahrer des altägyptischen Erbes, indem es in seinem Glauben die Kontinuität mit der Symbolsprache altägyptischer Vorstellungen weiterführt.

Was empfehlen Sie den emigrierten jungen Kopten?

Den jungen Kopten möchte ich mit auf ihren Weg geben, dass sie sich in ihrer neuen Wahlheimat umsehen, das Gute, das ihnen würdig ist, aufnehmen und sich anpassen. Sie sollten sich unbedingt die deutsche Sprache gut aneignen, damit sie mit ihren Mitmenschen kommunizieren können und nicht in sich gekehrt bleiben. So können sie ihre wertvolle Herkunft präsentieren. Und dabei sollten sie nicht vergessen, woher sie gekommen sind und was ihnen ihre Heimat bedeutet. Denn sehr wichtig ist zu vergegenwärtigen, dass ihr Glaube und die koptische Kirche, ihr Schutzschild in der neuen Wahlheimat ist.

Auf dem Bild aus dem Jahre 1959 besuchte der koptische Papst und Patriarch Kyrillos VI. das „Institute of Coptic higher Studies“ in Kairo. Das Bild zeigt:

Dr. Kolta, (vierte von links) zusammen mit dem in der Mitte stehenden Patriarchen, umgeben von Lehrern und Studierenden.

Prof. Dr. Murad Kamil (1907-1975) (sechste von links) war Experte in den orientalischen Sprachen, promovierte 1938 in Tübingen.

Dr. Ragheb Moftah (1898-2001) (fünfter von rechts) war Pionier in Notation der koptischen Musik. Er studierte in Bonn (1919-1926).

Das „Institute of Coptic higher Studies“ wurde im Jahre 1954 unter der Ägide von Prof. Dr. Aziz Sourial Atiya gegründet und später unter dem Direktorat von Prof. Dr. Sami Gabra, dem Ägyptologen weiter geführt. Dr. Kolta war Sekretär (von 1956-1959) am „Institute of Coptic higher Studies“. Seit dem Jahr 1968 befinden sich dort auch der Sitz des koptisch-orthodoxen Patriarchats und die koptisch-orthodoxe Kathedrale.

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München.