Treffen der drei Patriarchen der Alt-orientalischen orthodoxen Kirchen
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30. September 2016
Warum danken wir Gott?
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Interview mit Magdi Yacoub

Interview mit Magdi Yacoub

Interview mit Magdi Yacoub

Magdi Yacoub

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München

Von Pater Deuscoros El-Antony

Magdi, Du setzt Dich für Entwicklungsarbeit in Ägypten und für die Integration von Flüchtlingen in Deutschland ein. Wie ist das zu vereinbaren?

In Kairo habe ich mich zehn Jahre lang mit der Entwicklungsarbeit beschäftigt, besonders für handwerkliche Qualifizierung. In dem Bild vom Bogen aus Holz steckt vieles, was ich sagen will. Diese exakte Arbeit erbrachten Bedürftige, wie Taubstumme, Abeitslose und sudanesische Flüchtlinge oft besser als gelernte Schreiner. Das gewählte Produkt an sich ist ein Lehrmaterial, das die Kreativität fördert. Für solche Arbeit der Qualifizierung schuf ich betriebsähnliche Verhältnisse, wo Produkte produziert, bzw. Diensteistungen erbracht werden. In diesem Bereich von Bildung braucht es viel Grundlagenarbeit von Wissensvermittlung zusammen mit Charaktererziehung. Hier in Deutschland zeigte sich im letzten Jahr durch die massive Einwanderung ein großer Bedarf an Grundlagenarbeit der Qualifizierung ab, bei dem ähnlich angesetzt wird, wie bei der Entwicklungsarbeit. Viele Flüchtlinge sind gut gebildet, aber die Mehrheit dürstet nach „Soft Skills“.

Du behauptest, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Entwicklungs- und Integrationsarbeit!

Ja. Die Bildungseinrichtungen, die hier für Arbeitslose und Flüchtlinge Qualifizierung anbieten nutzen ähnliche angepasste Ansätze für Ausbildungsmaßnahmen in Entwicklungsländern. Für Ägypten ist Deutschland das wichtigste Partnerland und hoch geschätzt in Themen der Ausbildung. Damit in Ägypten nachhaltige Ausbildung in Gang gesetzt werden kann, hilft der Erfahrungsschatz an Begleitung und Qualifizierung von auszubildenden Flüchlingen hier vor Ort. Umgekehrt genauso. Interessant ist, dass ich in Ägypten verfolge, wie tiefgreifend die Arbeit von kirchlichen Einrichtungen in der Berufsausbildung wirkt. Und hier sehe ich das Potential unserer Vereine, die aus ihren Werten handeln und künftig nicht nur dort als gütige Geber auftreten, sondern hier ihre Hände in der Praxis haben und damit die Qualität bestimmen können. Wir gelten sowohl in unseren Heimatländern, als auch hier als Brückenbauer. Aus den christlichen Werten heraus ist es einfach vielfältige Bildungsinhalte um das essentielle Fachwissen herum einzubringen.

Wie bewertest Du das Ehrenamt in unserer Gemeinde?

Ich sehe wie Du, dass unsere Gemeinde eine intakte Gemeinde ist, in der mehr Generationen zusammen leben, dienen und intern und extern wirken. Als wir als Familie 2012 ankamen, hat sich jeder von uns aufgenommen gefühlt. Hier fühlt sich keiner ausgeschlossen. Das möchte ich auch weiter tragen. Du Abuna bemühst Dich auch sehr dafür. Zu Deiner Frage: Außer dem St. Mina Verein existieren von den Mitgliedern der Gemeinde drei gemeinnützige Vereine, die man als klein aber fein bezeichnen kann. In allen spielt die Ökumene eine große Rolle. Mit dem Maat Verein und der Unterstützung der KAB und der Matthäus Kirche konnten wir als Gruppe von Engagierten aus den Alt-orientalischen Kirchengemeinden sehr gute Integrationsarbeit leisten. Und der Freundekreis des Hl. Antonius setzt genau auf Bildung in einer ökumenischen Begegnung. Vergelte Gott jede Unterstützung, die ehrenamtlich einfließt.



In den Gottesdiensten übersetzt Du die Predigt simultan ins Deutsche. Das finde ich gut. Was empfiehlst Du angehenden Dolmetschern?

Dankbar bin ich, dass ich besonders die Predigten dolmetschen darf, dann prägen sie sich besser in mein Hirn ein. Wir Christen sind aufgefordert, das Wort des Lebens auszusprechen. Das Dolmetschen ist da ein Übungsfeld. Gerne lade ich Willige ein, die Predigt mal simultan zu dolmetschen. Mit einer gesunden Gabe des guten Zuhörens kann dies sehr einfach sein. Der Rest kommt nach und nach für jemanden, der 2 Sprachen beherrscht. Um simultan zu dolmetschen muss man freien Kopf haben und ausgeruht sein. Dann können die Gedanken gut verständlich in die andere Sprache fließen. Ich empfehle sich zuerst ein bisschen mit der Materie und den richtigen Begriffen vertraut zu machen. Oft kann man im Vorfeld den Inhalt und das Thema im Detail erfahren.

Was würdest Du der Jugend zum Thema Ehrenamt raten?

Ich rufe unsere Jugend auf, heute in ihrem guten Vorsatz des Gebens und Dienens unter dem Motto „Gemeinsamer Pro-fit“ weitere kleine Projekte vorzuschlagen. Wer also FIT für ein PROjekt für Flüchtlinge ist, sei es Ausflug, Veranstaltung, künstlerische Aktivität oder Begleitung, der wird von uns unterstützt, es zu realisieren. Ein Beispiel ist auf der letzten Seite dieser Ausgabe.

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München.