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Interview mit Pfarrer Deoscorus El -Antony

Interview mit Pfarrer Deoscorus El -Antony

Interview mit Pfarrer Deoscorus El -Antony

Pfarrer Deoscorus El -Antony

Priester der St. Mina Kirche in München

Das Interview führte: Magdi Yacoub

In den letzten 6 Monaten gab es wiederholt viele terroristische Anschläge gegen die koptisch-orthodoxen Kirchen in Ägypten, von denen einige die Medien weltweit in den Nachrichten mit Entsetzen verfolgten. Angesichts dieser gezielten Angriffe auf Christen in Ägypten fand dieses Interview statt.

Lieber Pfarrer Deoscorus in den letzten 6 Monaten haben wir viele Nachrichten über Terroranschläge gegen koptische Christen und koptisch-orthodoxe Kirchen gehört und gelesen. Können Sie uns Näheres dazu sagen?

In der Tat leidet die Kirche in Ägypten und die Kopten zurzeit sehr unter den vielen Ereignissen der Gewalt und des Terrors, denen sie ständig ausgesetzt sind. Die größten Terroranschläge waren:

  • Am Sonntag, den 11. Dezember 2016, während des Gottesdienstes in der Petrus-Kirche, direkt neben der St. Markus Kathedrale und des päpstlichen Hauptsitzes in Kairo sprengte sich ein Selbstmordattentäter mitten in der Kirche in die Luft. In diesem tragischen Attentat wurden 29 Gläubige getötet, die Mehrheit davon Frauen. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Einige von den Schwerverletzten wurden hier in München behandelt.
  • Anschlag auf Petrus-Kirche
  • Am Palmsonntag, den 9. April 2017, attackierten Terroristen die Kathedrale des Heiligen Georg in der Millionenstadt Tanta, 150 km nördlich von Kairo und gleichzeitig die St. Mark Kathedrale in Alexandria. Im ersten Gotteshaus sprengte sich der Terrorist mit einem Sprengstoffgürtel nach dem Eindringen in den Altarbereich in die Luft. Bei dem zweiten Gotteshaus, in dem der Papst Tawadros II. die Liturgie feierte, konnte der Terrorist nicht eindringen, da die Kirche sehr stark bewacht war. Er konnte sich gerade noch vor dem Haupttor der Kathedrale in die Luft sprengen. Beim ersten Anschlag starben 52 Menschen unterschiedlichen Alters, darunter Diakone, Kinder, Männer und Frauen, beim zweiten waren es 7 Wachtmänner. Insgesamt gab es 100 Verletzte.
  • Anschlag auf die Kathedrale des Heiligen Georg in der Millionenstadt Tanta
  • Danach, am Samstag, den 20. Mai, wurde ein Bus mit Besuchern des Heiligen Samuel Klosters (200 km südlich von Kairo) und ein weitere Wägen mit Arbeitern, die vom Urlaub zur Arbeit ins Kloster zurückkehrten, von 10 Terroristen angegriffen. Die Terroristen hielten die Büsse bevor sie das Kloster erreichten, mitten in der Wüste an. Sie fragten die Passagiere nach ihrer Religion. An den Kreuzen, die die Damen an der Brust trugen und an den Tattoos, die die Männer und Jugendlichen an den Armen hatten, erkannten sie, dass alle Christen waren. Die Terroristen fragten zuerst, ob ihre Gefangenen bereit sind, Christus zu verleugnen. Aber sie weigerten sich und hielten an ihrem Glauben und ihrem Bekenntnis zu Christus fest. Sie entschieden sich, für Christus zu sterben. So töteten die Terroristen zuerst alle Männer, danach wandten sie sich an die Frauen und rissen ihnen ihren Schmuck ab. Danach verletzten sie viele Frauen und Kinder. In diesem Attentat starben 28 Menschen und 23 wurden verletzt.
  • Anschlag auf Bus mit Besuchern des Heiligen Samuel Klosters
    Anschlag auf Bus mit Besuchern des Heiligen Samuel Klosters

Außer diesen großen Vorfällen gibt es immer wieder kleine anderen, die die Medien nicht erwähnen.

Wie erklären Sie solche Attentaten und Anschläge, und was sind Ihrer Meinung nach die Motive dahinter?

Die Kopten in Ägypten sind friedliche Menschen. Sie wollen in Frieden und in Sicherheit leben.
Terror gehört nicht zu ihren Eigenschaften. Sie lieben das Leben miteinander. Mit der Revolution am 30. Juni erklärte das ägyptische Volk, dass es die Herrschaft der Muslimbruder ablehnt. Allerdings glaubten die Angehörigen der Muslimbrüder, dass die Kopten diejenigen waren, die die Revolution geschürt und geführt hatten und aus denen die Ablehnung stammte. Dies erklärt, warum die Muslimbrüder auf die Kopten mit Unheil ausgerichtet sind und diese als Zielscheibe sehen. Ferner finden viele radikale Muslime die Christen als gottlos und verbreiten Hetz- und Hasspredigen in den Medien gegen die Christen. Einige Hetzer ermutigen Gleichgläubige, Christen zu töten und ihr Eigentum zu plündern. Viele Moscheen in Ägypten sind immer noch von Imamen der Salafisten und der Muslimbruderschaft kontrolliert, die ihre Hassgedanken in die Köpfe der einfachen muslimischen Gläubigen eintrichtern, junge Gläubige rekrutierten und sie auffordern, im Namen Allahs die sogenannten gottlosen Kopten zu töten.
Auch in einigen schulischen Lehrbüchern gibt es hier und dort Lektionen, die den Hass führen und die Ablehnung des anderen Glaubens.

Als Seelsorger der koptischen Kirche in München frage ich Sie nach der Reaktion der anderen Kirchen hier in München auf diese Ereignisse?

Zuerst möchte ich mich herzlich bedanken bei der Führung der katholischen und evangelischen Kirchen und auch der anderen orthodoxen Kirchen Gemeinden hier in München. Sie haben für uns, für die Märtyrer und für die gesamte koptische Kirche viel Sympathie und Mitgefühl gebracht und mit uns getrauert. In vielen Kirchen wurde für die Märtyrer, Verletzten und Angehörigen gebetet. Ich erheilt sehr viele Telefonate und Briefe des Beileids und Aussprachen des Mitgefühls. Auch auf den Straßen hielten mich viele Fremde an und sprachen ihr Beileid aus.

Zum Gedenken an die Opfer

Haben die Kopten in Ägypten Angst vor weiteren Ereignissen? Ist Ägypten jetzt kein sicheres Land mehr?

Die Allgemeinheit der Kopten haben keine Angst vor Gewalt, Mord oder Terror, weil sie fest glauben, dass Gott Ägypten beschützt und vor Unheil bewahrt. Diese Phrase "habt keine Angst" steht in der Bibel 365 mal, soviel wie es Tage im Jahr gibt. Deshalb halten wir uns fest an Gottes Wort und fürchten uns nicht.
Wir glauben, dass alle Dinge sich zum guten wandeln, für diejenigen, die an Gott glauben. Was die Frage angeht, ob Ägypten sicher ist oder nicht, genügt ein Blick über die ganze Welt.
Der Terror erreicht jeden Ort. Er betrifft nich nur Ägypten. Nur die letzten Ereignisse in Ägypten geben den Anschein, Ägypten sei nicht sicher.
Ägypten ist aber ein sicheres Land. Dies bestätigt der Besuch der Kanzlerin in Ägypten am 02.März und der Besuch des Papstes Franziskus am 28.April, sowie die vielen anderen Besuche etlicher Staatsmänner und Diplomat.

 Besuch des Papstes Franziskus
Ägypten ist ein gesegnetes Land. Es ist das Land, dass Jesus als Kind mit der Heiligen Familie vor 2000 besucht hatte. Die Mehrheit der Mitglieder unseren Gemeinde hier in München besuchen Ägypten mehmals im Jahr, um mit deren Familien dort Zeit und Urlaub zu verbringen. Jeder ist in Ägypten immer herzlich willkommen.

Fühlen Sie sich bitte frei, noch mit uns zu teilen, was Sie zu diesem Thema auf dem Herzen haben!

Als Erstes sind wir Christene aufgefordert, in der Einheit des Herzens für unsere Welt beten, in der so viel Krieg, Terror und Aggression herrschen. Vergessen wir nicht, für die Terroristen zu beten, weil uns Jesus Christus gelehrt hat, für unsere Feinde zu beten und für diejenigen, die uns Schlechtes antun, uns verfolgen und uns vertreiben.
Dennoch möchte ich auch eine Nachricht an jeden Menschen senden, der Terror anstiftet, um Menschen zu töten und ihnen das Leben zu berauben. Ich frage ihn: Wiegelt dich der Name Jesu so sehr auf? Und bringt dich das Kreuz an der Brust oder an dem Händen der Christen soweit außer Kontrolle, dass du sie tötest und schlachtest? Sind die Gebete wehrloser Menschen, die sie sich nicht selbst verteidigen können, ob Männer, Frauen, Kinder oder Diakone, die in die Kirche gehen, um zu beten und Gottessegen zu empfangen, so provozierend, dass du einen explosiven Gürtel trägst und dich mit denen im Stücke zerfetzt? Wusstest du, dass du mit dem explosiven Gürtel diese Menschen als Märtyrer im Namen Christi ins Königreich Gottes geführt hast? Diese Menschen, die bis zum letzten Atemzug bevorzugt haben zu sterben statt Christus zu verleugnen! Ich weiß sehr gut, dass diese Nachricht dich erreicht? Denn du bist nicht unter den Lebenden auf dieser Welt, die Gott geschaffen hat, damit die Menschen friedlich auf ihr leben. Gott liebt die Menschen und das Leben und er hat uns geschaffen, damit wir uns an seiner Schöpfung erfreuen. Du aber liebst das Leben nicht und hasst es, mit diesen Unschuldigen zu leben. Du fühlst dich offensichtlich nicht würdig, in der Gemeinschaft der Liebe und Menschheit, die Gott geschaffen hat, zu leben und zu existieren. "Gott ist Liebe" . Wir beten für dich, oh erbärmlicher Täter, möge Gott dir verzeihen und das Brett vor den Augen deiner Gleichgesinnten entfernen und deren Ohren öffnen, damit sie sehen, und hören und fühlen, welche Schmerzen und Trauer du durch deine Taten in den Herzen der Menschen und Angehörigen der Märtyrer und Verletzten verursacht hast.

Anschlag auf die Kopten

Ich stelle euch diese Fragen, ihr gleich gesinnten Terroristen: Welche Philosophie habt ihr gelernt, die euch gestattet, das Leben unschuldiger Menschen so einfach zu beenden?

Welche Wissensquelle hat euch geführt, diese Terrorgedanken zu vollziehen?

Welche Bücher habt ihr gelesen, die euch anheizen, andere zu töten, nur weil sie anders glauben?

Schließlich beende ich meine Worte mit dem Vers aus der Offenbarung (6: 9-11):
“Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die erwürgt waren um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen, das sie hatten. Und sie schrieen mit großer Stimme und sprachen: HERR, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch sollten noch getötet werden gleich wie sie“.

Priester der St. Mina Kirche in München