Grab des Nacht
Wein: Kult- und Heilmittel im alten Ägypten (Teil – I)
27. Juni 2016
Tag der brüderlichen Liebe
Tag der brüderlichen Liebe
29. Juni 2016

Interview mit Nadine Keddis

Interview mit Nadine Keddis

Interview mit Nadine Keddis

Nadine Keddis

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München

Von Pater Deuscoros El-Antony

Kannst du dich bitte kurz der Gemeinde vorstellen?

Ich bin in Kairo, Ägypten geboren und aufgewachsen. Nach meiner Schulzeit habe ich mich entschlossen, in Deutschland zu studieren. Ich bin deshalb im Oktober 2005 nach Deutschland gezogen und habe erstmal in Freiburg studiert. Anschließend bin ich im April 2009 zum Masterstudium nach München gezogen. Dadurch bin ich ein Mitglied der Kirchengemeinde geworden.

Vor einem Monat hast Du Deine Promotionsprüfung bestanden. In welchem Bereich war deine Doktorarbeit? Was sind deine Ziele nach dem Abschluss der Promotion?

Ich habe im Bereich Informatik promoviert. Allerdings war meine Promotion anwendungsorientiert. Ich habe mir den Bereich der Produktion angeschaut, mit dem Ziel, die Produktion flexibler zu gestalten. In einfachen Worten heißt das, dass ich Konzepte erarbeitet habe, die es dem Kunden ermöglichen, seine Produkte mitzugestalten ohne dass der Aufwand für den Hersteller zu hoch wird. Dafür müssen die IT-Systeme in der Fabrik flexibel sein und sich schnell an neue Situationen anpassen. Jetzt, wo ich meine Promotion abgeschlossen habe, wünsche ich mir, dass ich diese Arbeiten weiter fortführen kann, um sie produktreif zu machen, so dass sie irgendwann in der Zukunft auch eingesetzt werden können.

Du bist regelmäßig in der Kirche und organisierst Jugendtreffen und bist Mitglied des Vereins der koptischen Jugend. Kannst Du uns ein bisschen über diesen Verein und seine Aktivitäten und Ziele berichten?

Dieser Verein ist für die gesamte koptische Jugend in Deutschland gegründet worden, schon lange bevor ich nach Deutschland gekommen bin. Das Ziel ist es, eine Gemeinschaft für die koptischen Jugendlichen zu schaffen und Aktivitäten für sie anzubieten. Somit können wir eine Anlaufstelle für die Jugendlichen sein und sie bei Problemen unterstützen. Die Aktivitäten bezwecken, das Gemeinschaftsgefühl bei den Jugendlichen zu stärken. So können sie andere Jugendliche in ihrem Alter kennenlernen, die ähnliche Probleme und Fragestellungen haben. Derzeit organisieren wir deutschlandweite Jugendtreffen für unterschiedliche Altersgruppen. Wir laden dazu verschiedene Redner ein oder organisieren selber Workshops, in denen wir mit den Jugendlichen über verschiedene Themen des Christentums reden. Wir sind immer auf der Suche nach Jugendlichen, die uns bei dieser Arbeit unterstützen und die das dann in Zukunft weiterführen. Wenn also Leute aus unserer Kirche Interesse hätten, sind sie herzlich willkommen uns bei der Arbeit zu unterstützen.

Wie können Jugendliche ihre Zeit und ihr Leben so organisieren, dass sie in ihrem Studium erfolgreich sind, aber auch in die Kirche gehen und an den Aktivitäten der Kirche teilnehmen? Ist das schwer zu erreichen?

Um erfolgreich im Studium zu sein und gleichzeitig regelmäßig in die Kirche zu gehen, ist Zeitmanagement von großer Bedeutung. Außerdem ist es eine Frage der Prioritäten. Zeitmanagement ist auch etwas, was man später im Berufsleben brauchen wird. Um seine Zeit richtig zu organisieren, muss man lernen, sich selbst einschätzen zu können. Das heißt, ich muss verstehen, wie lange ich für eine bestimmte Aufgabe brauche oder wann ich am produktivsten lernen/arbeiten kann. Wenn man das verstanden hat, kann man seine Zeit so einteilen, dass man die gestellten Aufgaben erledigen kann. Hierzu muss man dann entsprechend früh anfangen. Ein weiterer Punkt ist es, die Aufgaben durchgängig zu verteilen und nicht nur kurz vor den Deadlines alles machen zu wollen. Das hilft dabei in einem Rhythmus zu bleiben und Phasen der hohen Belastung zu vermeiden. Außerdem muss man priorisieren. Es gibt sehr viel Angebot heutzutage und Dinge, die uns ablenken. Wir sollen verstehen, dass wir nicht alles machen können. Deshalb sollten wir zuerst die für uns wichtigen Aufgaben erledigen und die restliche Zeit für andere Dinge verbringen. Für mich war es auch immer wichtig, ein ausgewogenes Leben zu haben. Dazu gehört auch der regelmäßige Besuch der Kirche.

In unserer Kirchengemeinde sind viele Jugendliche, die entweder zum Studium nach Deutschland gezogen sind oder in Deutschland geboren sind und jetzt studieren. Welche Ratschläge kannst Du ihnen geben?

Die Studienzeit zu genießen. Viele von uns nehmen diese Zeit zu ernst und vergessen dabei, die Zeit zu genießen und für Aktivitäten zu nutzen. Klar muss man auch viel lernen, aber ich würde ihnen raten, die Balance zu finden. Während des Studiums hat man viel Zeit zu reisen, neue Leute kennenzulernen und viele Aktivitäten zu machen.

Am Ende unseres Gesprächs würde ich gerne von Dir hören, was Du wünschst?

Ich wünsche, dass wir als Menschen lernen, uns gegenseitig zu akzeptieren. Dass wir lernen, dass Leute anders sein können und dass wir sie dafür nicht verurteilen sollten. Ich wünsche, dass Gott die Liebe in uns stärkt, so dass wir einander immer lieben und in Frieden leben.

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München.