Gedenken
Zum Gedenken an die Opfer des IS-Terrors in Ägypten
12. April 2017
Danke für die Sorge und Solidarität
Danke für die Sorge und Solidarität
15. April 2017

Osterbotschaft 2017 – Anba Damian

Osterbotschaft 2017 - Anba Damian

Osterbotschaft 2017 - Anba Damian

Wir sind koptisch-orthodoxe Christen, eine der ältesten Kirchen der Welt und eine Kirche der Märtyrer. In unserem Heimatland Ägypten entstand das Mönchtum. Dort sind die Wurzeln des Christentums als Wiege der Religion begründet. Wir leiden als Ureinwohner Ägyptens und direkte Nachfahren der Pharaonen, seit Jahrtausendenunter Gewalttaten religiöser Fanatiker und werden mit unterschiedlicher Intensität verfolgt und getötet. Ein Angriff gegen uns richtet sich auch gegen den Ursprung bzw. die Wurzel des christlichen Glaubens.

Am Palmsonntag dieses Jahres, beim Einzug Jesu Christi in Jerusalem, kamen 44 unserer Schwestern und Brüder ums Leben und 126 wurden verletzt. Darunter vorwiegend Frauen und Kinder. Die schrecklichen Attentate auf die Koptisch-Orthodoxe St. Georg-Kirche in Tanta und die St. Markus-Kathedrale in Alexandria haben einmal mehr gezeigt, wie fanatisch die Anhänger des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) sind.

Wir sind zutiefst bestürzt und erschüttert, aber nicht hoffnungslos! Die terroristischen Anschläge sollen Aggression, Angst und Hass säen. Doch wir bleiben fest in unserem Glauben, in unserer Liebe und in unserer Hoffnung. Wir sind Christen und müssen unsere Welt vor Gewalt und Zerstörung bewahren. Denn Jesus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ (Johannes 11:25-26)

Wir Kopten feiern in der Karwoche und an Ostern nicht das Fest eines mächtigen Königs auf einem prunkvollen Thron, sondern wir verehren einen bescheidenen Menschensohn, der durch die Muttergottes Maria unsertwegen Fleisch angenommen hat. Wegen unserer Sünden und Verfehlungen wurde er freiwillig ans Kreuz genagelt. In seiner scheinbaren Schwäche hat er uns Kraft gegeben. Durch seinen Tod hat er den Tod besiegt und uns die Erlösung und das ewige Leben geschenkt. In seinem Leiden lösen sich unsere Leiden auf. In seiner Auferstehung entsteht unsere Hoffnung auf die Auferstehung mit und in ihm. Unser Herr Jesus Christus ist der Gekreuzigte, dessen Leiden wir in der Karwoche begleiten und nachempfinden. Wir betrachten ihn am Kreuz und singen für ihn das Lied der Könige in pharaonischer Melodie voller Hingabe “Dir gebührt Ehre, Kraft, Segen und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“

Wir beten für unsere verfolgten Schwestern und Brüder. Wir beten für sie, dass sie stark bleiben und ihr Leben in Zeiten der Bedrohung und Gewalt meistern. Wir beten für Trost, Beistand und Standhaftigkeit. Wir beten für unser Heimatland Ägypten aber auch für Deutschland in dem wir leben dürfen. Wir bitten um Rechte und Schutz für unsere Gemeinden. Wir danken für Solidarität und Unterstützung sowie für Hilfe jeder Art. Wir beten dafür, dass die Mächtigen und Starken ihre Augen nicht verschließen vor der Not, dem Leid und Elend dieser Welt, sondern besonnen handeln.

Wir beten nicht nur für die Verstorbenen und deren Angehörige, sondern auch für die Gewalttäter, dass ihre Herzen das Böse erkennen und sich zum Guten wenden. Kein Kind wird als Gewalttäter geboren, sondern als Ebenbild Gottes. Wir beten für ihre religiöseErziehung und Bildung im Sinne derLehre von der Nächstenliebe. Wir beten dafür, dass alle Menschen von klein auf Barmherzigkeit erfahren und nicht den Weg der Gewalt gehen, sondern Jesus nachfolgen.
Wir beten für ein friedliches Miteinander in Liebe, Freiheit, Toleranz und gegenseitigen Respekt. Wir beten für Vernunft und Weisheit.

Herr wir bitten dich um Vergebung unserer Sünden, die Sünden unserer Nächsten und die Sünden unserer Welt. Herr wir bitten dich vor allem auch um die Vergebung der Sünden, die wider Dich und Deine Schöpfung gerichtet sind. Herr wir bitten dich, dass die Menschen ihre Herzen für die wunderbaren Wege unseres Herrn öffnen.

An Ostern verschwinden alle Leiden der Menschheit in dem Leib Christi und wir stehen gemeinsam mit ihm auf. Wir feiern seine Auferstehung, die uns Hoffnung gibt, um mit ihm bis in alle Ewigkeit zu leben. Kein Attentäter der Welt kann uns unseren christlichen Glauben und unsere Hoffnung nehmen. Man kann uns töten, aber das ewige Leben kann uns niemand nehmen.

Wir feiern das Osterfest als höchstes Fest der Christenheit. "Ostern ist das Siegesfest des ewigen Lebens" (Gertrud von le Fort, katholische Schriftstellerin). Wir sind fest in unserem Glauben!

Die österliche Botschaft der Auferstehung Jesu Christi bleibt in unseren Herzen lebendig! „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!“

Anba Damian Diözesanbischof - Bischof von Nord-Deutschland

Ostern ist das Siegesfest des ewigen Lebens“ (Gertrud von le Fort, katholische Schriftstellerin)