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Wein: Kult- und Heilmittel im alten Ägypten (Teil – I)

Grab des Nacht

Grab des Nacht

Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Dem Wein gehörte im alten Ägypten seit alters her hohe Aufmerksamkeit. Ein Papyrus aus dem 3. Jh. v. Chr. in demotischer Schrift spricht über den Wein, wie folgt: „Wein und Essen erfreuen das Herz. Wer sie genießt ohne viel Aufhebens, wird in der Öffentlichkeit nicht getadelt.“ 1

Interessant dabei ist, dass unter den Freuden des Herzens der Wein an erster Stelle genannt wird und außerdem Wert darauf gelegt wird, sämtlichen Genüssen maßvoll zuzusprechen. Aus dem Weingarten, der dem Ramesseum-Tempel in Theben-West2 angegliedert war, gibt es einen wichtigen Fund thebanischer Ostraka, die dafür sprechen, dass es dort in der 18. und 19. Dynastie (um 1550 – 1190 v. Chr.) einen guten Wein gegeben haben muß.

Der Ägyptologe Wiedemann machte eine auffallende Entdeckung: Mit der Hilfe eines gut erhaltenen Ostrakons – eine Scherbe ursprünglich von einem Weingefäß – konnte Wiedemann die Inschrift der thebanischen Fragmente wie folgt rekonstruieren:

Die Übersetzung lautet:

„Im Jahr 1, guter Wein von dem großen bewässerten Gelände des Tempels von Ramses II. im Haus des Amun von Ägypten (=in Theben). Der Vorsteher der Weingartenarbeiter (hieß) Thutmosis.“ 3

Dieser Text belegt, dass es in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. in Theben guten Wein gegeben haben muss, und dass dieser in speziell angelegten Weingärten wuchs, dass diese Weingärten einem Tempel angeschlossen waren, und dass künstlich bewässert wurde.


1) Brunner, H., Die Weisheitsbücher der Ägypter, - aus dem „pLeiden“ -, Augsburg 1997, S. 324, Zl. 380 – 382.
2) Theben ist heute die West-Seite der Stadt Luxor.
3) Wiedemann, A., Ein Fund thebanischer Ostraka, in: ZÄS 21(1883) S. 33 – 35.
Foto: Treten des Weins, Grab des Nacht | 18. Dynastie | Nekropole, Theben-West in Ägypten

Dem Wein gehörte im alten Ägypten seit alters her hohe Aufmerksamkeit.