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Wein: Kult- und Heilmittel im alten Ägypten (Teil – III)

Weinfeste in Altägypten

Weinfeste in Altägypten

Dr. phil. Kamal Sabri Kolta

Weinfeste in Altägypten

Insbesondere gehörte der Wein aber bei heiteren Volksfesten in Altägypten dazu: So bei dem in Theben-West damals populären Fest des Jahres, dem beliebten „Schönen Fest vom Wüstental“. Den Verlauf des Festes zeigen die Malereien der Noblen-Gräber; sie legen Zeugnis davon ab, wie die Angehörigen der Toten ihren verstorbenen Verwandten opferten, und damit deren Gedächtnis feierten. Solche Szenen zeigen auch hoch gestellte Persönlichkeiten, die zum Fest erschienen, und auch wie diese Gäste hereingebeten wurden. Als Empfangstrunk wurde durch die Dienstmädchen Wein in prunkvollen Schalen gereicht. Malereien porträtieren Tempelpriester, Musikanten und Sängerinnen. Unter den Wandmalereien befinden sich Liedtexte, die von den Priestern zu Ehren der Götter Amun, Hathor oder anderen Gottheiten rezitiert wurden. Diese endeten mit dem Lob des Grabherrn.

An einer Wand vom Noblen Grab Rechmires finden wir einen solchen Liedtext:„ Sein Herz erfreuen, Schönes sehen. Vorträge, Tänze und Gesänge, Myrrhen auflegen, sich mit Öl salben, eine Lotusblüte an der Nase, Brot Bier, Wein, Süßigkeiten und alles vor sich, für die Seele des Fürsten, Stadtvorsteher und Wesir, Rechmire“.1

Und so feierte die Festgesellschaft die ganze Nacht ein rauschendes Fest zum Gedenken ihrer Toten und Wein floss in Strömen.

Vergleichbar mit dem „ Schönen Fest des Wüstentals“ wurde das „Fest der Trunkenheit „ gefeiert, zu Ehren der „Herrin von Dendera“2, nämlich Hathor. Sie ist die Göttin der Liebe, des Tanzes und der Musik. Bei diesem „ Fest der Trunkenheit“, trugtrug der König tanzend den Wein-Krug zur Göttin.3

Ähnlich dem „ Fest der Trunkenheit „ in Dendera, feierte man in der Stadt Bubastis (Ost Delta) ausgelassene Feste mit Tanz, Musik und Wein. Die Ortsgöttin der Stadt Bubastis ist seit dem Alten Reich (2600 v. Chr.) die Göttin Bastet . Die Katze ist ihr heiliges Tier und deshalb wird sie mit einem Katzenkopf dargestellt. Bastet ist durch synkretistische Verschmelzung mit der Löwengöttin Sachmet verbunden. Ein gewisser heiterer und lieblicher Zug assoziiert die Göttin Bastet mit der Göttin „ Hathor von Dendera „, was auch eine späte Inschrift aus dem „ Philae-Isistempel“ besagt: „ zornig ist sie Sachmet, fröhlich ist sie Bastet“.4

Von dem rasenden Fest der Göttin Bastet berichtet auch der Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) in seinem 2. Buch, Kap. 60: „ … eine Menge Menschen, Männer und Frauen, darunter spielen einige mit den Kastagnetten , aber andere Männer pfeifen unermüdlich auf der Flöte. Dabei singen mehrere Menschen und klatschen mit den Händen. Die Menschen-Menge feiert das Fest und bringt viele Opfer, wobei eine Menge Wein getrunken wird, mehr als im ganzen Jahr“. Nach Herodots Schätzung belief sich die Teilnehmerzahl bei diesem „Freudenfest“ auf 700.000 Menschen.5


1) Bieler, S., Schönheit, Rausch und Wohlgeruch, i: Kemet, Jg. 23, Heft, 3, Berlin 2o14, S. 5.
2)Die Stadt Dendera ist etwa 30 km nördlich von der Stadt Luxor.
3)Junker, H. Poesie aus der Spätzeit, Leipzig-Berlin, ZÄS 43 (1906) S. 101.
4)Bonnet, H., RÄRG, s. v. „ Bastet „, S. 81; Junker, H., Auszug der Hathor – Tefnut aus Nubien, Berlin 1911, S. 32.
5)Braun, Th., Das Geschichtswerk des Herodotos von Halikarnassos, Frankfurt 1958, Kap. 60, S. 149 – 150..

Weinfeste in Altägypten