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Optimistische Christen
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Interview mit Eszter und Tharwat Nasr

Interview mit Eszter und Tharwat Nasr

Interview mit Eszter und Tharwat Nasr

Eszter und Tharwat Nasr

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München

Von Pater Deuscoros El-Antony

Lieber Tharwat, bitte stelle Dich und Deine Frau Eszter kurz vor:

Wir sind überzeugte Kirchenmitglieder in der St. Mina Kirche in München. Ich bin Ägypter und meine Frau kommt ursprünglich aus Ungarn.

Was verbindet Euch mit Ägypten bzw. außerhalb von Deutschland? Wo seht ihr euren Platz und eure Aufgaben?

Familie, Freunde und die koptische Kirche verbinden uns eng mit Ägypten und Ungarn, wo wir immer gerne Zeit verbringen. Durch diese Aufenthalte und viele Gespräche bekommen wir tiefe Einblicke ins Leben und in die Herausforderungen der Menschen, vor allem Christen dort. Immer wieder eröffnen sich Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum Austausch, die beide Seiten bereichern. Wir haben das Gefühl, dass wir zu beiden Seiten gehören und unser Ziel ist, das Beste überall zu suchen, und dorthin zu transferieren wo es Bedarf dafür gibt.

Welche Entwicklungshilfe siehst Du angemessen?

Hilfe zur Selbsthilfe, die langfristig wirkt, ist natürlich immer am besten. Leider gibt es aber in Ägypten auch Situationen, wo akute Not gelindert werden muss, und es hat keinen Sinn dann nur über langfristige Projekte zu sprechen. Planung ist gut und notwendig, aber manchmal braucht man sofortige Hilfe ohne Bürokratie, die von der Nächstenliebe initiiert und in sofortiges Handeln umgesetzt wird.

Unsere Gemeinde erlebt in neuster Zeit einen großen Wandel, seitdem viele junge Menschen und Familien in die Gegend zugezogen sind. Wie siehst Du das Gemeindeleben heute? Was steht für ein gesundes Miteinander und der Stellung der koptischen Kirche hier vor Ort an?

Es ist sehr schön zu sehen, dass unsere Kirche wächst, und viele Familien und junge Menschen sich in der St. Mina Gemeinde wohl fühlen. Vor allem sind viele dabei, die schon mal in Ägypten in verschiedenen Kirchen gedient haben. Das ist für uns hier sehr wichtig, weil sie damit ihre Erfahrung, ihren Glauben, Fleiß und ihre Mitarbeit in die Kirche einbringen. Das kann für die Kinder, die hier geboren sind, ein Vorbild und eine große Bereicherung sein.

Wir finden das toll, wie gut und gerne sich die Zugezogenen hier integriert haben. Sobald es Verständnis füreinander und die Nächstenliebe in der Kirche gibt, dann folgen Akzeptanz und die nötige Anpassung auch gerne auf beiden Seiten. Der Anfang von all dem ist, dass man miteinander spricht und auch mal die Unvertrauten und Neuen anspricht. Jede/-r soll das Gefühl haben, dass sie/er Teil der Gemeinschaft ist und mit ihr/ihm gerechnet wird (Meinung, Bedürfnisse, gemeinsame Arbeit usw.). Auch hier in München soll die koptische Kirche ein geistliches und soziales Zuhause der Gemeinschaft sein, wo die Mitglieder sich wohl fühlen, aber auch Dienste übernehmen können. Menschen fühlen sich besonders wohl, wenn sie sowohl von der Gemeinschaft etwas bekommen, als auch dieser was geben können.

Als Jugendleiter bist Du Ansprechpartner für Jugendliche und junge Männer, die geflüchtet waren und hier mittlerweilen sehr gut integriert sind. Wie schätzt Du die Lage der jungen Männer ein?

Viele von ihnen haben schon eine Berufsausbildung abgeschlossen, haben feste Arbeitsverträge in der Hand, sind sehr gut integriert, und trotzdem bekamen viele bislang noch kein Bleiberecht. Das verstehe ich nicht. Die Lage der Christen ist vielerorts – besonders in Süd-Ägypten – bis zu lebensbedrohlich gefährlich. Diese Gefahren scheint die Politik hier nicht zu erkennen. Es scheint so, dass einzelne ganz ähnliche Fälle teilweise sehr unterschiedlich entschieden werden – sei es aus mangelnder Erfahrung oder Sachkenntnis usw. In diesem Zusammenhang finden wir, dass wir alle bzw. die Kirche hier die entsprechenden Informationen weitergeben sollten.

Welchen Rat gibst Du den jungen Männern auf ihrem Weg für die Zukunft?

Egal, was ihr plant oder was euch geschieht, denkt immer daran, dass der Herr Jesus Christus den Preis für euer ewiges Leben bezahlt hat und dies das allerwichtigste im Leben ist. Er liebt euch, und als euer Vater steht Er euch beiseite. Also verhaltet euch wie es sein soll, wie Kinder Gottes. Seid ehrlich, fleißig, hilfsbereit, zielorientiert und um Kraft zu schöpfen, vergesst nie, wo eure Wurzeln sind. Seid ein Segen überall, wo ihr hinkommt und denkt an den Bibelvers 1 Thess. 5:21: „Prüft alles und behaltet das Gute“.

Gemeindemitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in München.